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Metabolische Fitness II

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Stichworte: ernähren,entspannen,bewegen
 
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Metabolische Fitness II

 

Über Faulenzer, Geparden und Pfuhlschnepfen

 

Keine Ahnung, was eine Pfuhlschnepfe ist? Hatte ich auch nicht, als ich den Bericht las! Ich musste den niedlichen Rekordhalter auch zuerst googeln, um mir ein Bild zu machen. Die Pfuhlschnepfe hält unangefochten den Weltrekord im Ausdauerbereich. Sie fliegt nonstop, ohne Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme 12'000 km weit, ja, richtig: zwölf tausend Kilometer! Und zwar von Alaska bis Neuseeland.

Mit dem Gepard sind wir alle auf Du, von der Mittelschule erinnern wir uns, dass er der unbestrittene Rekordhalter im Tempolauf ist. Mit bis zu 120 km/h saust er hinter der Gazelle her. Allerdings hält er das Tempo gerade mal  2-3 Minuten durch.

Wir Menschen sind weder besonders schnell noch sehr ausdauernd. Von der Evolution her bestand auch keine Notwendigkeit dazu, sie eröffnete uns mit der Entwicklung unseres Gehirns eine andere ökologische Nische: Wie die Menschheitsgeschichte zeigt, war Schlauheit das bessere Tool als Geschwindigkeit oder Ausdauer. Unsere Intelligenz ist leider unterdessen ein zweischneidiges Schwert: Wir sind nicht nur eine Gefahr für unsere Umwelt geworden, wir gefährden mit unserm gewaltigen Know-how auch unsere Gesundheit. Damit kommen wir zum Faulenzer.

 

Warum soll Faulenzen nicht gesund sein?

Die meisten unter uns verdienen sich ihr Leben sitzend am Bildschirm. Ob mit ÖV oder im Stau, der Arbeitsweg ist nicht mehr derjenige des Jägers und Sammlers. Am Feierabend wollen wir dann doch mal die Beine hoch lagern………Allenthalben wird doch das Lob des Faulenzens gesungen. Faulenzer-Hotels preisen Faulenzer-Oasen an, Hermann Hesse hat „Das Lob des Nichtstuns“ geschrieben und Mark Twain war eloquenter Lobredner der Faulenzerei. Doch Vorsicht! Weder Poeten noch Hoteliers sind ausgewiesene Fachleute in Sachen Faulenzerei.

Doch gibt es diese überhaupt? Es gibt sie!

 

„Zu wenig körperliche Aktivität und zuviel Sitzen: Physiologie des Nichtstuns und die Notwendigkeit neuer Empfehlungen bezüglich körperlicher Inaktivität“ heisst eine bahnbrechende Arbeit, die 2008 erschien.* Darin wird nachgewiesen, dass die sitzend verbrachte Zeit ein Risikofaktor ist für Herzkreislaufkrankheiten, Diabetes und einige Krebserkrankungen. Und zwar unabhängig davon, ob wir am Abend noch eine Runde drehen. Fazit: Stundenlanges Sitzen ohne ein paar kurze aktive Pausen gefährdet die Gesundheit!

Genau zum gleichen Resultat kommen zwei weitere Untersuchungen:

„Erhöhtes Risiko von Stoffwechsel- und Herzkreislaufkrankheiten durch zunehmenden TV-Konsum“ ** und „Zeit am Bildschirm, Sterberisiko und Herzkreislaufkrankheiten“.*** Alle drei Untersuchungen erschienen in schwergewichtigen Fachzeitschriften, und alle kommen zum selben Resultat: Sitzdauer am TV oder am Computer und Risiko für vorzeitigen Tod oder für Herzkreislaufkrankheiten hängen eng zusammen. Auch bei Personen, die 2-3 mal/Woche ihre Jogging-Schuhe anziehen.

Das grösste Organ des Menschen ist die Muskulatur. Diese will gebraucht sein, sonst verkümmert sie. Die Muskulatur ist aber nicht nur unser Motor, sie ist auch unser grösstes Stoffwechselorgan. Der Stoffwechsel ist aber nicht nur während des Joggens aktiviert sondern immer dann, wenn wir uns bewegen. Und das sollen wir möglichst oft während des Tages! Wir sind stoffwechselmässig gesund, also metabolisch fit, wenn wir uns mehrmals am Tag, zusammen aber mindestens 30 Minuten bewegen. Eine Jogging Runde am Abend ist OK aber nicht alleinseligmachend! Ein Marathon ist gut fürs Ego aber nicht zwingend für die Gesundheit. Wie sagte doch schon Paracelsus vor gut 500Jahren: Alles ist Gift und nichts ist Gift, allein die Dosis macht, ob etwas Gift ist. Genau genommen gilt der Satz universal: für’s Essen, für die Arbeit, das Training – das wissen wir, aber er trifft auch zu für Dinge, von denen wir nicht erwarten, dass ein Zuviel gesundheitsschädigend sein könnte, wie Wasser, Liebe uvm, und  ja, oft hat man das Gefühl sogar für die Religion.

 

Für diejenigen, die’s genau wissen möchten:

*  Current Cardiovascular Risk Reports 2008

** Medicine and Science in Sports and Exercise 2010

*** Journal of the American College of Cardiology 2011

 

 


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