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Info
Dr. Manfred Oetting ist Diplom-Psychologe.

Buchtipp
Sein Buch: "So entkommen Sie der Falle Stress".
Windmühle, 16,50 Euro.


Stress entsteht ausschließlich durch unsere Bewertung einer Situation – seit ich das begriffen habe, rege ich mich über fast nichts mehr auf. Etwa im Auto: Früher bin ich sehr schnell gefahren, habe mich wie wild über andere geärgert. Heute fahre ich höchstens 120 km/h und lasse den anderen Vortritt. Man muss sich fragen: Warum setzt mich etwas unter Stress? Meist hat es mit Angst zu tun. Angst den Flieger zu verpassen zum Beispiel. Aber was kann passieren? Wenn es nicht zu ändern ist, verbringt man halt die Nacht im Hotel. Oder Angst vor Überforderung: Wenn man meint, man schafft die Arbeit nicht, muss man sich vielleicht versetzten lassen. Überforderung macht auf Dauer krank – der Weg in den Burnout. Wer viel arbeitet, muss auf Pausen achten.

Mein Grundprinzip: Ich muss jede Woche etwas Schönes erleben, zum Beispiel einen Ausflug mit meiner Frau. Außerdem fotografiere ich stundenlang Schrott und Ruinen, voller Hingabe. Viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht arbeiten. Sie müssen lernen, den Spaß im Leben regelrecht zu planen, denn sie haben verlernt, einfach nur zu genießen. Die Sinneswahrnehmung ist bei Stresspatienten sehr eingeschränkt. Ich gehe mit ihnen in den Wald, verbinde ihnen die Augen, setzte ihnen Schalldämpfer auf die Ohren: Sie sollen nur riechen. Nur hören. Das sind oft sehr emotionale Momente, weil sie merken, wie sie sich die ganze Zeit betrogen haben.

Es gibt natürlich auch so starken Stress, da helfen schöne Erlebnisse nicht. Ich habe mich mal bei einem Immobilienkauf vertan, hatte Existenzsorgen und konnte nicht schlafen vor lauter Gedanken. Da habe ich nachts ferngesehen. Das hat mich abgelenkt, und ich konnte schlafen. Aber eigentlich ist Fernsehen nicht gut, Entspannung ist immer aktiv, gestalterisch.

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