In Kooperation mit
Ratgeber
zurück zur Übersicht

Anthroposophische Medizin

Grundlagen

Die Anthroposophische Medizin verdankt ihre Begründung der Zusammenarbeit des Philosophen und Anthroposophen Dr. phil. Rudolf Steiner mit der holländischen Ärztin Dr. med. Ita Wegman in den Jahren 1921 – 1925. In dieser Zeit wurden in Arlesheim (Schweiz) und in Stuttgart (Deutschland) die ersten beiden Kliniken aufgebaut, in denen Anthroposophische Medizin zur Anwendung kam – parallel zur Gründung des Arzneimittelbetriebes WELEDA. Inzwischen gibt es Zentren in mehr als 60 Ländern, auf allen Kontinenten. Ausserdem engagiert sich diese Wissenschaft wesentlich in der Forschung und veröffentlicht Berichte sowie Studien.

Die Anthroposophische Medizin vertritt ein ganzheitliches integratives Konzept, das nur von speziell dafür ausgebildeten Ärzten praktiziert werden kann.


Methode und Ziel der Behandlung

Diagnostik und Therapie basieren auf einem ganzheitlichen Menschenbild. Der physische Leib wird mit naturwissenschaftlich-medizinischen Verfahren untersucht und behandelt.
Die Lebensorganisation (Ätherleib), der Seelenorganismus (Astralleib) und der individuelle Geistorganismus (Ich-Organisation) lassen sich gemäss den dafür geeigneten Erkenntnissen der Anthroposophischen Geisteswissenschaft führen und harmonisieren (R. Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten). Basierend auf den Gesetzmässigkeiten dieser genannten Ebenen und durch differenzierte Naturbetrachtungen von therapeutisch wirksamen Mineralien, Pflanzen und Tieren entstand ein ganzheitliches Konzept. So beruhen auch Herstellung und Verabreichung von Arzneien auf dem Menschen- und Naturverständnis der Anthroposophie. Als gut bekanntes Beispiel seien die Mistelpräparate zur Krebsbehandlung erwähnt. Ergänzend zur medikamentösen Therapie und Massnahmen, welche jenen der Schulmedizin nahe stehen, werden weitere Behandlungen eingesetzt wie Heileurythmie, Mal- und Musik- sowie verschiedene Formen der Gesprächstherapie.

Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte des Patienten körperlich, seelisch und geistig so anzuregen, dass der Gesundungsprozess mit einem Zuwachs an Autonomie und Selbstbestimmung einhergeht. Der Einsatz von nur symptomatisch wirkenden Medikamenten oder solchen, die den Patienten in Abhängigkeit versetzen können, wird daher nur im Notfall und so kurz als möglich befürwortet.


Indikationen (Einsatzmöglichkeiten)

Die Anthroposophische Medizin wird sowohl in der ärztlichen Praxis angewandt, als auch in Therapiezentren und regionalen Spitälern. Sie reicht von der ambulanten Versorgung bis zur Palliativ- und Intensivmedizin, von der Radiologie (Röntgenkunde) bis zur Pädiatrie, deckt also ein sehr breites Spektrum ab. Im Mittelpunkt steht jedoch nicht in erster Linie die Heilung von Krankheiten, sondern ebenso die Prävention durch gesunde Lebensführung, gesundheitsfördernde- und Selbsterziehung. Rudolf Steiner sah den Lehrer als entscheidenden Partner des Arztes bei der Zusammenarbeit in Hinsicht auf eine gesunde Entwicklung von Jugendlichen.


Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Es werden keine Situationen genannt, bei denen sich die Anthroposophische Medizin grundsätzlich verbietet. Aufgabe des Therapeuten ist es, bei Bedarf einen entsprechenden Spezialarzt beizuziehen.


Therapeuten, Ausbildung

Für die Ausbildung bestehen international abgestimmte Kriterien zur Zertifizierung. Es gibt Vollzeit- und berufsbegleitende Weiterbildungen in verschiedenen Ländern. Der Unterricht wird von einem Mentorenprogramm begleitet. An der Universität Witten Herdecke (Deutschland) wird ein in das reguläre Medizinstudium integrierter Begleitstudiengang zur Anthroposophischen Medizin angeboten. Weiterführende Informationen finden sich auf der Homepage des Goetheanum.


Autor: vivit gesundheits ag, 2008