Augen fit halten
Bildschirmarbeit ist Schwerstarbeit für unsere Augen: Sie verursacht mehrere tausend Kopf- und Blickbewegungen zwischen Bildschirm, Tastatur und Vorlage und 8000 bis 16 000 Pupillenreaktionen pro Tag. Die beste Vorbeugung sind einmal mehr kurze, regelmässige Pausen am PC.von Ole Petersen
«Distanz schärft den Blick ...» – mit diesem Zitat möchte ich kurz darauf hinweisen, dass unsere Augen von der Evolution primär einmal für das Jagen und Sammeln in der freien Natur «konzipiert» sind. Der Homo sapiens ist ein sehr anpassungsfähiger Organismus, aber es ist erst wenige Jahre her, seit wir unsere Augen (zu) viele Stunden auf die Displays unserer PCs, Natels und Handhelds richten. Dies sowohl bei der Arbeit als auch privat, beim «Surfen» im Internet oder bei PC-Spielen. Die Augen werden dabei stark beansprucht, sie müssen sich ständig an unterschiedliche Sehentfernungen anpassen. Je nach Tätigkeit wandert der Blick zwischen 12 000- bis 33 000-mal vom Bildschirm zur Vorlage und zurück. Und die unterschiedlichen Helligkeiten provozieren zwischen 8000 und 16 000 Pupillenreaktionen pro Tag.
Hinzu kommt noch das Problem der Sichtfixationen: langes Starren auf gleiche Objekte im gleichen Winkel und in gleich naher Entfernung. Auch dies ist wenig entspannend für die Organe unseres primären Wahrnehmungskanals. Kein Wunder, wenn die Augen bei diesen Anstrengungen «schlappmachen». Denn eigentlich sind sie für umherschweifende Blicke geschaffen, nur dann sind die Belastungen ausgewogen, die Beanspruchungen gering. Anstreben: Mischarbeit Abwechslung ist also auch hier gefragt! Und diese lässt sich nicht durch eine gute Beleuchtung oder einen ergonomischen Bildschirm ersetzen. Wirklich wohltuend für die Augen ist eine Organisation der Arbeit, die einen Wechsel zwischen Bildschirmarbeit und anderen Tätigkeiten vorsieht, Stichwort ist hier: Mischarbeit. Grundsätzlich gilt: Jeder Tätigkeitswechsel ist auch ein visueller Belastungswechsel und damit ein Schongang für die Augen.
Und die vorgeschriebenen Kurzpausen sollten dafür genutzt werden, die Blicke schweifen zu lassen, oder, noch besser, ein wenig Augengymnastik zu machen. Bildschirm richtig platzieren Doch zuvor ein prüfender «Blick» auf die «augengerechten» Verhältnisse am eigenen PC-Platz. Hierzu eine kleine Checkliste:
- Bildschirm nicht direkt ans Fenster stellen (Abstand: > 60 cm).
- Blickrichtung parallel zur Fensterfläche.
- Die oberste Bildzeile sollte unterhalb der Augenhöhe liegen (bei einer bequemen und aufrechten Sitzposition, mit einem leicht nach unten geneigten Blickwinkel, etwa 25 bis 30°).
- Bildschirme mit Positivdarstellungen verwenden (dunkle Zeichen, heller Hintergrund).
- Genügend grossen Sehabstand einhalten (> 50 cm bei 15-Zoll-Monitoren, entsprechend mehr bei grösseren Bildschirmen, maximal 80 cm).
- Für Flimmerfreiheit sorgen Bildschirme mit hoher Bildwiederholfrequenz (ab 14-Zoll-Bilddiagonale > 90 Hz). Dies kann man einstellen unter «Eigenschaften von Anzeige» (rechter Mausklick auf dem Desktop), dann «Einstellungen», «Erweitert», dann unter «Monitor» auf «Bildschirmwiederholfrequenz» oder «Bildschirmaktualisierungsrate». Man wähle die höchste Hz-(Hertz-)Zahl, die der Monitor hergibt.
- Ausreichende Zeichengrösse schont die Augen (bei 50 cm Sehabstand Schriftgrösse nicht kleiner als 3 mm).
- Bei jeder Helligkeits- und Kontrasteinstellung müssen die Zeichen scharf und deutlich sein.
Übungen contra Augenbeschwerden
Nachfolgend die besten Übungen, die helfen, sich vorbeugend gegen Ermüdung und einseitige Belastung der Augen zu schützen. Die beste Frequenz ist eine Micropause von etwa 30 bis 60 Sekunden alle 15 bis 20 Minuten.- «Palmieren»
Handinnenflächen reiben, bis diese gut warm werden. Sich mit den Ellenbogen auf dem Tisch abstützen und den Kopf in die Hände legen. Dabei die Augen mit den Handinnenflächen bedecken, ohne die Augäpfel zu berühren. Dreimal tief und bewusst einatmen.
- «Blinzeln»
Augenlider so schliessen, dass sich die Lider sanft berühren. Nur die Augenlider bewegen, die bei der Fast-Schliessung der Augen stark blinzeln. Dies reinigt und befeuchtet die Augen. - «Achterbahn»
Augen schliessen. An eine liegende Acht denken. Mit den Augen die Acht nachzeichnen. Zunächst sechsmal in die eine Richtung, dann wechseln.
- «Augenjogging»
Den Kopf ruhig halten. Die Augen bzw. den Blick so weit wie möglich nach oben, dann nach unten bewegen (zweimal). Dann nach rechts und nach links, ebenfalls zweimal. Nun mit den Augen ein Viereck nachzeichnen, zweimal in die eine Richtung, dann wechseln.

Übungen wirken präventiv
Die hier vorgestellten Übungen sind der Vorbeugung zuzuordnen und daher bei chronischen Schmerzen kein Ersatz für eine individuelle und fachliche Diagnose und für eine allfällige individuelle Therapie. Ich wünsche jedem/er, dass er/sie durch die präventiven Massnahmen davon verschont bleibt. Damit die positiven Wirkungen voll zum Tragen kommen, gilt:
- Mehrere kurze Pausen sind erholsamer als wenige lange Pausen.
- Je schwieriger die zu bewältigende Aufgabe ist, desto häufiger und länger sollten Pausen eingelegt werden.
- Empfohlen werden drei bis fünf Micropausen von etwa 30 bis 60 Sekunden pro Stunde.
AUTOR
Ole Petersen, Diplom-Betriebswirt, ist Geschäftsführer der fit im job AG in Winterthur. Tel. 052 245 05 55, Fax 052 245 05 59, ole.petersen@fitimjob.ch. Die fit im job AG ist spezialisiert auf betriebliche Gesundheitsförderung. Unter dem Motto «fit im job» werden Seminare zu Bewegung, Ernährung und Entspannung im Arbeitsprozess angeboten. Unter dem Label micropause® bietet die fit im job AG interaktive Gesundheits-Portale für Mitarbeitende.www.micropause.ch
www.fitimjob.ch
- «Daumenfokus»
Daumen so nahe vor die Nasenspitze halten, dass man ihn gerade noch scharf sehen kann. Nun den Blick vom Daumen zu einem Gegenstand wechseln, der sich am anderen Ende des Raums befindet. Zehnmal wechseln.
- «Blick in die Ferne»
Aus dem Fenster schauen und den entferntesten Punkt fokussieren. Ohne den Kopf zu bewegen, zu einem Gegenstand im Raum wechseln, beispielsweise zum Fensterbrett. Zehnmal wiederholen. - «Der Stift»
Bleistift in Augenhöhe nahe an der Nase halten und ihn mit den Augen fixieren. Die Hand von der Nase wegbewegen, bis der Arm gestreckt ist. Der Blick bleibt auf der Spitze des Bleistifts. Langsam vor und zurück für etwa 25 Sekunden.









