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Ernährungsirrtümer vermeiden

"Ist das gesund oder ungesund?" – "Ernähre ich mich so richtig oder falsch?" – Zu keinem Zeitpunkt wurde in unserer Gesellschaft so viel und so häufig über das Essen, die Nahrungsmittel, verschiedene Ernährungsweisen und Diäten diskutiert. Dabei entstehen beim "kundigen Laien" einige Ungereimtheiten und Widersprüche.


von Sonia Goretzki


"Soll man das nun essen oder eher nicht?" Die wichtigste Regel lautet immer noch: "In Ruhe essen, geniessen und gut kauen". Ausserdem gilt es einige Ernährungsirrtümer zu vermeiden.

Es gibt nicht "die" optimale Ernährungsweise

Eine optimale Ernährungsweise, die für alle Personen Gültigkeit hätte, gibt es nicht – genau so wenig, wie es die optimale Finanzstrategie gibt. Wenn es so einfach wäre, dann wären wir alle gesund und munter und würden nicht Selbstzweifel hegen, was unsere Ernährungsgewohnheiten anbelangt. Essen ist immer individuell und sollte folgende Parameter berücksichtigen:

Kein Körper verarbeitet die zugeführte Nahrung gleich

Prinzipiell ist unser "Bauplan" schon der gleiche, aber in der Funktionsausführung gibt es doch interessante Unterschiede. So gibt es einige Personen, die beispielsweise mit Rohkost (Früchten, Salaten, Gemüse) weniger gut zurechtkommen als andere. Eine Person fühlt sich nach dem Genuss eines grossen Salattellers sprichwörtlich "energiegeladen" und einer anderen liegt dieser wie ein Klotz im Magen (Darm). Aus der Klassierung nach Konstitution und Ernährungstypen können Rückschlüsse auf die individuell richtige Ernährung gezogen werden.


Die Individualität wird durch verschiedene Methoden berücksichtigt:

A) Konstitutionstypisierung:
Es gibt viele Fragebogentests zur (Vor-)Bestimmung des Konstitutionstypus, die dann für die jeweiligen Typen entsprechende Ernährungsempfehlungen bereit halten. Lesenswert ist der Online-Typentest unter www.padma.ch (Originalversion mit 100 Fragen).

B) Stoffwechsel-Typisierung

Metabolic Typing und EVA, Ernährungs-Verträglichkeits-Analyse: Mit Fragebogen oder Bioenergetik werden Ernährungs- und Drüsentyp ermittelt. Basierend darauf werden die individuell idealen, neutralen, ungünstigen und gefährlichen Nahrungsmittel bestimmt: www.horisan.de


Nicht einfach nur weniger essen

Diese Annahme beruht auf der weit verbreiteten Input-Output-Theorie. Wenn die Kalorienzufuhr groösser ist als der Kalorienverbrauch, wird der Kalorienüberschuss als Depotfett abgespeichert. Doch der umgekehrte Weg funktioniert nicht ganz so einfach. Die Berechnungen von Kalorienaufnahme und -verbrauch versagen kläglich, da die Stoff wechselfähigkeiten der Menschen äusserst unterschiedlich sind. Unsere Körper sind keine "Black Box", so dass alles, was man oben reinsteckt, immer zum gleichen Ergebnis führt. Tabellen, die für eine Stunde Gartenarbeit das Äquivalent von zwei Joghurts erlauben, gilt es zu hinterfragen. Denn Folgendes lässt sich im Bekannten- und Verwandtenkreis oft beobachten: Es gibt Personen, die bei jeder Mahlzeit sehr grosse Portionen zu sich nehmen und dennoch sehr schlank sind, obwohl sie keinen Sport treiben und sich auch sonst nicht viel bewegen. Umgekehrt treff en wir häufig auf Personen, die kaum etwas zu sich nehmen – morgens nur ein paar Früchte, mittags ein paar Salatblättchen und abends etwas Hüttenkäse – und dennoch stetig zunehmen. Die gute Nachricht ist: Das Stoffwechselverhalten lässt sich durch die Kombination Bewegung & Ernährung beeinflussen. Leider grassiert der Unsinn von Diäten und Kalorienzählen ungebrochen. Aber Achtung: Wenn Sie um Abzunehmen die Nahrungsmenge verringern, werden Sie gleich dreifach gestraft. Erstens sinkt während Zeiten verminderter Nahrungsaufnahme Ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration. Sie werden unruhig, ungeduldig und für Ihre Kollegen ungeniessbar. Zweitens verlangsamt sich Ihr Stoffwechsel und schaltet auf «Sparflamme», die Gewichtsverluste, die Ihnen die Waage zunächst anzeigt, sind primär der Verlust von Wasser und Muskelmasse. Dazu verlieren Sie noch wichtige Enzyme und andere Botenstoffe. Die gesunde Lösung heisst: Bewegung (Fettstoffwechseltraining) mit typgerechter Ernährung kombinieren!


«Süssstoff und «Light»-Produkte helfen abzunehmen»

Speziell bei jungen Menschen sehr beliebt, ist der Konsum von «light»-Getränken. Durch das viele Sitzen und mangelnden Bewegungsausgleich etabliert sich bereits in jungen Jahren ein nettes Bäuchlein. Man versucht das schlechte Gewissen durch «Light»-Produkte zu beruhigen. Die Annahme, man könnte durch sie Kalorien einsparen und daher etwas abnehmen oder zumindest das Gewicht stabil halten, entpuppt sich als «Flop». Der Grund: Beim Konsum eines künstlich gesüssten Getränkes oder Nahrungsmittels wird über den süssen Geschmack im Mund die Bauchspeicheldrüse «alarmiert» und schüttet jede Menge Insulin aus. Nun kommen aber gar keine Zuckerkalorien, da Süssstoff bekanntlich und im Gegensatz zu richtigem Zucker keine Kalorien enthält. Das «fälschlich» ausgeschüttete Insulin senkt den vorhandenen Blutzucker. Ein sinkender Blutzuckerspiegel ist immer ein Alarmsignal für den Körper. Der absinkende Zuckerspiegel muss ausgeglichen werden, daher «verlangt» unser Körper nun nach Zufuhr von Nahrung – er sendet massive Hungersignale. Ein Grossteil der anschliessend zugeführten Nahrung landet in den Fettdepots auf Grund des überhöhten Insulinspiegels. Künstliche Süssstoffe haben in einer gesunden Ernährung nichts zu suchen.


«Wir essen zuviel Fett – das Fett ist schuld!»

Jahrelang hat man das Fett verteufelt. Alle gängigen Hauptnahrungsmittel werden daher als fettarme Variante angeboten. Fettarme Milch, Joghurt mit 0% Fettgehalt, fettreduzierte Eiscreme und Schokolade – mit der Angst vor dem Fett verdienen die Nahrungsmittelkonzerne gutes Geld. Sicher gibt es nach wie vor Personen deren täglich Aufnahme an gesättigten Fetten zu hoch ist und die den «wahren» Fettgehalt der Nahrungsmittel unterschätzen (siehe «Fettfallen» und «wahrer Fettgehalt»). In unserer Praxis haben wir eine zweite, grosse Personengruppe erkennen können die ebenfalls Gewichtsprobleme hat, aber sich eigentlich recht spärlich und vor allem fettreduziert ernährt. Hier ist der hohe Zuckerkonsum (z.B. versteckte Zucker in Fertigprodukten, Limonaden usw.) das Problem und nicht das Fett. Eine stetige Zuckerzufuhr und die daraus resultierende Insulinausschüttung verursacht eine Achterbahnfahrt des Blutzuckerspiegel. Das Resultat: Unnatürliche Hungersignale und eine Destabilisierung von Konzentration und Leistungsfähigkeit. Die Lösung für diese Personengruppe lautet: Bewegung (Fettstoffwechseltraining) mit zuckerreduzierter Ernährung. Grundsätzlich das Fett als «Hauptschuldigen» darzustellen entspricht nicht den Essgewohnheiten einer grossen Gruppe von Bürotätigen mit leichtem Übergewichtig.


«Vollkorngipfeli» sind nicht zwingend gesünder als normale Buttergipfeli

Ein Gipfeli mit Körnern obendrauf ist noch lange kein Vollkorngipfeli. Hier gilt es, die Mehlzusammensetzung zu hinterfragen. Auch dunkelbraunes Brot kann bis zu 90% Weissmehlanteil enthalten, es wird durch Malzzucker dunkel gefärbt.


QUICK TIPPS

Lassen Sie sich nicht verwirren:

AUTORIN

Sonia Goretzki, Ernährungs- und Vitalstoffberaterin, ist Seminarleiterin der fit im job AG in Winterthur.
Tel. 052 245 05 55, Fax 052 245 05 59, sonia.goretzki@fitimjob.ch. ONLINE: www.fitimjob.ch, www.abnehmen.ch