In Kooperation mit
Ratgeber

Gedanken sind Energie

Unser Business-Alltag enthält Aufgaben, die uns Besonderes abverlangen, bei denen nur kurze Momente über Gedeih und Verderb entscheiden. Wohl dem, der in diesen Momenten Herz, Kopf und Verstand beieinander hat, sich im «optimalen Leistungszustand» (OLZ) befindet. Mentales Training kann hier unterstützend wirken.


Von Martin Käser

Kurz zur Erinnerung (siehe ORGANISATOR 06/2004, Seiten 54 bis 56): Unser optimaler Leistungszustand (OLZ) wird erreicht, wenn wir etwas überdurchschnittlich angespannt bzw. «gestresst» sind, wenn alle Voraussetzungen des menschlichen Körpers für maximale Leistung vorhanden sind. In diesem Zustand fühlen wir uns verantwortungsbewusst, kontrolliert und sicher. Wir verfolgen ruhig und ausgeglichen, jedoch voller Energie unser Ziel.

Den OLZ vorauserleben

Der optimale Leistungszustand (OLZ) kann mit mentalem Training angesteuert bzw. vorbereitet werden. Das psychische «Einstellen» auf eine kommende Situation und die gedankliche Vorwegnahme von positiven Ergebnissen erzeugen im Organismus parallel messbare Aktivierungsprozesse.

Gedankenkraft gezielt nutzen

Jeder Mensch kann mentale Stärke entwickeln und zielgerichtet einsetzen. Im Sport oder in Extremsituationen wird deutlich sichtbar, welche Macht der mentale Aspekt auf unsere Motivation, Leistungsentfaltung, die Konzentration und das Wohlbefinden hat. Gedanken sind Energie. Deshalb spricht man von der Gedankenkraft, von müden-kraftlosen oder machtvollen-energiegeladenen Gedanken. Eine alte Weisheit fasst die Gedankenkontrolle in einem Satz zusammen:
«Mehr als alles andere achte auf Deine Gedanken, denn sie bestimmen Dein Leben.»

Mental simulieren und programmieren, …

In der Pilotenausbildung werden schwierige Flugmanöver im Simulator so oft trainiert und wiederholt, bis neue Handlungsmuster automatisiert und gefestigt sind mit dem Ziel, in der Wirklichkeit und in Gefahrensituationen bestmögliche Resultate zu erbringen.

… immer mit klarem Ziel

Zunächst gilt es, für die bevorstehende Herausforderung eine persönliche Zielsetzung zu formulieren: Übung: Meine exakte Formulierung des erwünschten Endzustandes lautet ... (➞ bitte in einen Satz fassen, bildhaft, kurz und bündig).

Anleitung zum Mentaltraining

  1. Trainings-Vorbereitung ist immer die Entspannung
    Ich suche einen ruhigen Platz auf, der in keinem direkten Zusammenhang mit den vorangegangenen Ereignissen mehr steht und an welchem ich mich wohl und sicher fühle. Ich achte darauf, dass ich während rund 15 bis 20 Minuten nicht gestört werde. Das Licht dimme ich so, dass sich meine Augen entspannen können. Ich mache es mir in einem Sessel oder Stuhl bequem. Die Körperhaltung sollte symmetrisch, der Rücken gut entlastet sein.
    Sollte man es mögen, kann instrumentale, beruhigende Musik eingesetzt werden. Besonders geeignet ist klassische oder spezielle Entspannungsmusik. Idealerweise verwendet man einen CD-Player mit Kopfhörer.
  2. Trainings-Einstieg
    Ich sitze entspannt und bequem im Sessel oder Stuhl, beide Füsse haben Kontakt zum Boden, die Unterarme ruhen locker auf den Oberschenkeln. Ich schliesse die Augen. Das Mentaltraining beginnt mit einer Atmungsübung als Vorentspannung. Bewusstes Atmen wirkt unterstützend und ermöglicht, sich leichter von Stress, Hektik und Ärger zu distanzieren.
  3. Weitere Vertiefung der Entspannung
    Nun führe ich die «Progressive Muskelentspannung» durch. Oder ich zähle rückwärts von 25 bis 1: Dazu lasse ich mir jetzt von meiner Phantasie das Bild einer Landschaft geben. Ich versetze mich gedanklich in diese Landschaft und bewege mich darin abwärts; dabei kann man nach unten gehen, fliegen, gleiten, tauchen usw., man kann in einem Lift nach unten fahren oder als Feder zur Erde schweben. Diese Szene erlebe ich bildhaft und emotional und zähle dazu langsam rückwärts von 25 bis 1. Bei jeder absteigenden Zahl lasse ich mich noch etwas tiefer sinken. Bin ich bei der Zahl 1 angelangt, sehe ich vor mir eine Tür, die zum eigenen mentalen Trainingsatelier führt. In diesen Raum gehe ich hinein und schliesse die Tür hinter mir.
  4. Mentales Trainingsatelier
    Im Raum herrscht gedämpftes Licht. Die Grösse und die Form des Raums, die Farben, der angenehme Duft und die Einrichtung, all diese Dinge sind etwas Besonderes. Etwa in der Mitte des Raums befindet sich ein bequemer Ruhesessel; dieser ist angenehm gepolstert, stützt Arme, Beine und Nacken. Ich beschliesse, mich hineinzusetzen. Dabei stelle ich mir vor, wie sich jeder Muskel meines Körpers tief entspannt. Neben dem Relaxstuhl entdecke ich einen Beistelltisch mit einer Fernbedienung. Ich drücke auf den Knopf und beobachte, wie sich vor meinen Augen ein Vorhang öffnet, wie im Kino. Die Leinwand dahinter wird grösser und grösser.
  5. Leinwand-Technik
    Zunächst mache ich mir bewusst, wie bequem ich in meinem Relaxstuhl sitze und wie tief mein Körper schon entspannt ist. Nun beginne ich mit meiner mentalen Programmierung auf der geistigen Leinwand. Auf diese projiziere ich ein genaues Bild (Film) meines gewünschten Endzustands. Wichtig: Die Ziele sind immer so zu programmieren, als wären sie bereits Realität, die Leinwand erleichtert dabei die visuelle Vorstellungskraft. Auf der Leinwand visualisiere ich mein Zielbild oder kreiere meine eigene Filmsequenz dazu, mit all meiner Phantasie und in kräftigen Farben. Ich setze beim Visualisieren zusätzlich ein Höchstmass an positiven Emotionen ein. Dann beantworte ich die Fragen «Was sehe, höre und fühle ich, wenn ich mein Ziel erreicht habe? Wie ‹schmeckt› mir der Erfolg? » Dabei ist von entscheidender Bedeutung, sich selber im Zielbild zu sehen.
  6. Ausstieg aus dem Mentaltraining
    Nach Abschluss meiner mentalen Programmierung schliesse ich die Leinwand wieder mit der Fernbedienung. Ich erhebe mich aus dem Relaxstuhl, gehe Richtung Tür und verschliesse die Tür meines «virtuellen» Trainingateliers. Um die mentale Übung zu beenden, ist es wichtig, Körper und Gedächtnis langsam aus dem Entspannungszustand herauszuführen und nicht einfach die Augen zu öffnen. Unsere Sinne, Organe, der Kreislauf und die Muskulatur müssen reaktiviert, also wieder auf «Betriebstemperatur» gebracht werden.
Anmerkung: Dieser Ablauf ist lediglich als ein kleiner Leitfaden gedacht, viele Personen entwickeln ihren eigenen Ablauf, um sich auf Herausforderungen gezielt vorzubereiten. Wirksam ist jedoch nur ein regelmässiges Mental-«Training», ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.


AUTOR

Martin Käser (48) ist Seminarleiter der fit im job AG in Winterthur, dipl. Mentaltrainer und NLP Business- Practitioner. Sein Schwerpunkt ist «effektives Stressmanagement » durch mentale Stärke und Entspannung in der heutigen Arbeitswelt. Als Erwachsenenbildner und Kommunikationstrainer war Martin Käser jahrelang in einem Grosskonzern im Verkauf und in der Aus- und Weiterbildung tätig.

Tel. 052 245 05 55, Fax 052 245 05 59, martin.kaeser@fitimjob.ch
Die fit im job AG ist spezialisiert auf betriebliche Gesundheitsförderung. Unter dem Motto «Mentale Stärke – klarer Kopf» werden unternehmensinterne Seminare zum Thema der Artikelserie angeboten.

ONLINE: www.fitimjob.ch, www.stress-info.ch, www.gesundheit-im-betrieb.ch