Pausenkultur entwickeln
Erholungsoasen pflegen
Pause machen, abschalten, entspannen. Wer nur in den «stand by»-Modus schaltet, hat einen geringen Erholungswert. Energiebringende Pausen haben System. Eine Anleitung.von Ole Petersen
Es mag mitunter an der angespannten Wirtschaftlage liegen, dass die Bereitschaft zu fast grenzenloser Erreichbarkeit und Verfügbarkeit stark gestiegen ist. Früher oder später stösst da jeder an seine Grenzen. Besser ist es im Sinne einer Primärprävention, regelmässig kleinere und grössere Pausen zu machen, die der Organismus zur Regeneration braucht.
Mikro-, Midi- und Makropause
Von den drei gesundheitlichen Eckpfeilern Bewegung, Ernährung und Entspannung ist Entspannung die Disziplin, bei der jeder bis zu einem gewissen Grad Zeit für sich beansprucht. Soziale Kontakte, bei Bewegung und Ernährung durchaus erwünscht, setzen der Entspannung Limiten. Die betriebliche Gesundheitsförderung unterscheidet drei Pausenformen. Die Mikropause von einer halben Minute bis zu einigen Minuten, die Midipause von einer Stunde bis zu einem halben Tag und die Makropause, d. h. kürzere und längere Ferienabwesenheiten. Vor allem bei der Gestaltung von Mikro- und Midipausen sollten individuelle Vorlieben berücksichtigt werden. Grundsätzlich kann man zwischen einem bewegungsorientierten und einem kontemplativen Pausenansatz unterscheiden. Am Beispiel Musik verdeutlicht, beginnt der eine am liebsten spontan zu ihr zu tanzen, während ein anderer sich einfach lauschend im Sessel zurücklehnt. Mikropausen lassen sich sehr gut in den Arbeitsalltag integrieren. Es sind nicht spektakuläre, sondern diskrete Trainings für Bewegung und Entspannung. Das ist wichtig, da es eine gewisse Hemmschwelle gibt, auch im Grossraumbüro eine Mikropause zu machen. Das Repertoire an Mikropausen ist übrigens gross. Wir unterscheiden heute mehr als 80 verschiedene Mikropausen vom Augentraining über Atemübung bis zur Nackenentspannung.Richtig abschalten
Es ist nicht nur wichtig, Mitarbeitende für Mikropausen einmalig zu sensibilisieren, sondern auch ihnen Möglichkeiten und Nutzen der Mikropausen regelmässig aufzuzeigen. Dazu eignen sich insbesondere Intranet basierte, interaktive Gesundheitsportale, welche Mitarbeitende mehrmals täglich über den PC zu kreativen Entspannungs- und Bewegungspausen animieren. Die Akzeptanz derartiger Gesundheitsportale ist nachweisbar gut. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) betreibt intern ein derartiges Gesundheitsportal. Eine Umfrage zum Nutzerverhalten hat ergeben, dass 47% aller User beim seco das Programm nach einem Jahr regelmässig weiter beanspruchen wollen. Vor allem bei der Midi und Makropause zeigt sich die Ambivalenz der modernen Technik. Statt richtig abzuschalten wechseln manche lediglich in den «stand by»-Modus und sind über Handy und E-Mail doch erreichbar. In dieser Form von Pikettdienst und im Bewusstsein, dass das Natel jeden Moment klingeln könnte, sind der Erholung automatisch Grenzen gesetzt.Erfolg in kleinen Schritten
Wen bereits nach eineinhalbstündiger Abwesenheit vom Arbeitsplatz einem die Unruhe packt, was wohl alles per Mail oder Telefon eingegangen ist, wird aus dem Stand kaum einen mehrwöchigen Urlaub oder gar ein Sabbatical ohne jeden Kontakt zur Arbeitswelt durchziehen können. Der Schlüssel liegt im schrittweisen Ausdehnen der Pausen. Erst drei Stunden, dann drei Viertel Tage, dann zwei Tage ohne verstohlenen Besuch im Internetcafé zum Abarbeiten der Mails und ohne Abhören der Voicebox. Hat man einmal feststellt, dass die Dinge nicht aus dem Ruder laufen und das Umfeld Verständnis für das natürliche Bedürfnis nach voller Entspannung hat, wird man nicht nur besser abschalten können, sondern generell gelassener und zuversichtlicher.Flexibilität nützen
Obschon wir in unserer Gesellschaft gerne von Individualität sprechen, ist in vielen Aspekten des Berufslebens ein gewisser Konformitätsdruck vorhanden. Dies spielt primär bei den Mikro- und Midipausen eine Rolle. Richtiges Abschalten sollte die Möglichkeit bieten, Zeit ganz für sich zu beanspruchen, ohne sozialen Druck, ohne irgendwelche Zwänge, ohne direkten äusserlich erkennbaren Sinn. Wie aber reagiert das Umfeld auf kurze Meditationsübungen? Lachen die andern nicht darüber? Ist es in der Praxis so einfach, sich aus der kollektiven Kaffeepause der Abteilung auszuklinken und statt ihrer einen Spaziergang zu machen? Oder das Mittagessen bewusst allein einzunehmen und sich danach an einem schönen lauschigen Tag sogar auf eine Parkbank für einen kurzen Power Nap hinzulegen? Generell ist festzustellen, dass in vielen Unternehmen zwar flexible Arbeitszeiten gelten, Mitarbeitende von diesem Recht aber nur punktuell und zurückhaltend Gebrauch machen.Individueller Freiraum
Am Vormittag zwischen zehn und elf aus nicht beruflichen und nicht medizinischen Gründen (Arztbesuch) abwesend zu sein, d. h. sich eine Midipause zu gönnen, ist unüblich, auch wenn Arbeitszeitreglemente dies durchaus zulassen. Die Mehrheit der Firmen kennt heute keine fixen Blockzeiten mehr, sondern setzt mit oder ohne Zeiterfassung auf Modelle mit Jahresarbeitszeit und flexibler Gestaltung der Präsenzzeiten, die auf den aktuellen Arbeitsanfall Rücksicht nehmen und grundsätzlich grossen individuellen Freiraum öffnen. Eines ist offensichtlich: Wer «seinen» Midi- und Mikropausen einen festen Platz im Alltag gibt, d. h. sie kultiviert und zu eigenen Ritualen entwickelt, erschliesst sich Erholungsoasen, von denen nicht nur er, sondern sein gesamtes privates und berufliches Umfeld unter dem Strich erheblich profitieren.Mikropausen. Testen Sie selbst!
Atmung: Atmen Sie durch die Nase tief in den Bauch ein, die Bauchdecke geht dabei nach aussen. Die Luft kurz anhalten und sie dann sehr langsam durch den leicht geöffneten Mund wieder ausblasen. Führen Sie jetzt zwei solche Tiefenatmungen durch. Augenbrennen am PC: Rollen Sie die Augen im Kreis oder Blinzeln Sie bei geschlossenen Liedern. Das befeuchtet trockene Augen wieder. (www.micropause.ch)









